Der Pfad war schmal, fast scheu – als wolle er sich noch einmal überlegen, ob er dich wirklich weiterführen will. Doch du folgtest ihm, Schritt für Schritt, begleitet vom leisen Geräusch feuchter Erde unter deinen Schuhen. Der Wald schien dich nicht zu beobachten, aber er registrierte dich. Wie ein Gastgeber, der zwar schweigt, aber jedes Geräusch wahrnimmt.
Die Brücke tauchte so plötzlich auf, dass du stehen bleiben musstest. Zu einfach, um offiziell zu sein. Zu präzise, um Zufall zu sein. Jemand hatte sie gebaut – aber nicht für jeden. Vielleicht nur für die, die sich vom eigentlichen Weg entfernt hatten.
Auf der anderen Seite öffnete sich ein kleiner Platz. Und dann sahst du sie:
Nicht Steine.
Sondern mehrere abgesägte Baumstämme, kreisförmig oder halbkreisförmig in den Boden gesetzt. Als wären sie nicht einfach gefällt worden, sondern bewusst stehen gelassen – ein paar Zentimeter über dem Boden. Auf jedem dieser Stümpfe lag ein Holzbrett. Dachlatten, oder irgendetwas in der Art. Unsauber befestigt, aber nicht zufällig. Wie improvisierte Ablagen. Oder Markierungen. Oder etwas, das wie ein Gerät wirken könnte – wenn man nur verstünde, wie es funktioniert.
Kein Feuer.
Kein Ruß.
Kein Müll.
Nichts, was auf einen Treffpunkt oder Grillplatz hindeutete.
Ein Ort, der etwas sein will – aber nicht verrät, was.
Du gehst einmal im Kreis. Versuchst, Muster zu erkennen: stehen die Stümpfe in einer bestimmten Ausrichtung? Zeigt etwas nach Süden? Sind die Bretter alle auf gleicher Höhe?
Und je mehr du hinsiehst, desto weniger wirkt es improvisiert.
Eher: unfertig.
Oder: überhaupt nicht für dich gedacht.
Für einen Moment hast du das seltsame Gefühl, dass der Platz nur „wartet“ – auf die richtige Person, die weiß, was er bedeutet.
Oder auf den richtigen Moment.
Der Wald sagt immer noch nichts.
Aber jetzt spürst du deutlicher, dass er zuhört.
UPDATE (02/2026): Der Platz wurde leider verwüstet bzw. vom Forstarbeitern kaputt gemacht.
